Kaiserpassage

Die im Frankfurter Bahnhofsviertel gelegene Kaiserpassage, die Taunusstraße und Kaiserstraße verbindet, ist geprägt durch zahlreiche kleine Ladeneinheiten und  internationale Händler mit großer Stammkundschaft. Ein ganz eigener, häufig unbekannter, über Jahrzehnte gewachsener Mikrokosmos.

Doch wer Anfang der zehner Jahre durch die Passage flanierte, dem fiel auf, dass viele der insgesamt 50 Geschäfte leer standen. R A D A R hat daraufhin mit der Unterstützung der Eigentümerin DIC diese Leerstände als Chance ergriffen Orte für künstlerische, soziale und urbane Experimente zur Verfügung zu stellen. Seit dem Frühjahr 2012 konnten so zahlreiche Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Performances verschiedenster Art ermöglicht und neues, anderes Leben in die Kaiserpassage und das Bahnhofsviertel einziehen. Auf dieser Seite geben wir einen Überblick über die von 2012 – 2015  vermittelten Zwischennutzungen.

Foto: Blick auf Eingang Kaiserpassage und Kaiserstraße 62-64 um 1960 – Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

 


 Galerie Kaiser P  und  Jennifer Nails 

Zwei besonders wichtige Einrichtungen in der Kaiserpassage bildeten der Kunstraum Jenifer Nails und die Projektraum Galerie Kaiser P.  Die Galerie Kaiser P, die von Dezember 2012 bis Dezember 2015 in Laden 48 ansässig war, organisierte neben zahlreichen Ausstellungen auch Konzerte und Lesungen. Weitere Informationen finden sich auf: www.kaiser-p.de

Mit Jenifer Nails entstand ein spannender Ort für junge zeitgenössische Kunst. Der Kunstraum wurde von Anfang 2014 bis Ende 2015 von der Kuratorin Gislind Köhler und dem Künstler Daniel Stempfer betrieben. Zusammen haben sie in Laden 41 der Passage mehrere Ausstellungen gezeigt. Seit dem jähen Ende der Zwischennutzung ist Jenifer Nails im Exil u.a. in Sofia und Bejing aufgetreten. Weitere Informationen zum vergangenen und aktuellen Programm gibt es unter: www.jenifernails.com

Auch unabhängig von den beiden Off-Spaces fanden unterschiedliche temporäre Formate Einzug in die leerstehenden Ladenflächen. Eine chronologische Übersicht:


Red Light Red Heat – Januar 2012

Junge Talente des Schauspiel Frankfurts haben unter dem Tiel „Red Light Red Heat“ einen Spaziergang durchs Bahnhofsviertel veranstaltet; selbstverständlich mit Zwischenstopp in der Kaiserpassage. In Frankfurts Rotlichtviertel verschwammen für die Zuschauer, die selbst Teil der Performance wurden, Realität und Inszenierung.

 


Bring Your Own Beamer – Mai 2012

Das offene Ausstellungformat Bring Your Own Beamer (BYOB) lud Frankfurter KünstlerInnen dazu ein, selbstorganisiert ihre digitalen Arbeiten in vier Ladenflächen zu präsentieren. Einzig musste dazu ein eigener Beamer und die projezierbare Arbeit mitgebracht werden. Info: www.byobworldwide.com

 


wartende im hbf in ffm – Juli 2012

Die Künstlerin Barbara Fuentis-Jelinek beklebte das Schaufenster des Ladens 41 vollständig mit ihren Zeichnungen. Diese entstanden über mehrere Jahre hinweg und zeigten wartende Personen am Frankfurter Hauptbahnhof.

 


Maria 2 Körper – August 2012

Das Ensemble SHADEseasons arbeitete mit der Tanzproduktion „Maria 2 Körper“ an die Schnittstelle zwischen leiblicher und sozialer Identität. Inspiriert durch Kantorowiczs Beschreibung der mittelalterlichen Vorstellung der „zwei Körper des Königs“ begab sich das Ensemble auf eine performative Forschungsreise durch die Rollenklischees der heutigen Zeit.


Blank Slate – Oktober 2012

Zur Bahnhofsviertelnacht eröffnete das Magazin „Blank Slate“ seinen Projekt- und Ausstellungsraum. Als Diskussionsplattform an der Schnittstelle von Kunst und Architektur angelegt, bekamen die im Magazin veröffentlichten KünstlerInnen Gelegenheit ihre Arbeiten zu präsentieren.


oltre la base – November 2012

oltre la base gestaltete sich als Ausstellungsprojekt mit internationaler Beteiligung. Das Designtrio Kökler (Emine und Hatice Sagdic, Klent Stasa), der Fotograf Marco Giambrone und der Maler Tillmann Hanel haben in intensiver Zusammenarbeit, ausgehend von einem gemeinsamen Interesse an Phänomenen räumlicher Begrenzung und Abschottung in Architektur, Mode und Landschaft, ein Ausstellungskonzept entwickelt. Die medialen Unterschiede (Fotografie, Malerei, Mode, Installation, Zeichnung), sowie die Anordnung und Präsentation der Arbeiten, erlaubten neue Sichtweisen und Zugänge zur Thematik.

oltre


We walk the Streets at Night – Februar 2013 

Der Künstler Joe Volt zeigte in dieser Ausstellung Fotografien, die in der Frankfurter Graffitiszene entstanden sind. Dabei geht es ihm nicht primär um das Dokumentieren des fertigen Bildes, vielmehr versuchte er die Atmosphäre des Moments einzufangen und durch seine eigene Bildsprache das Geschehen wiederzugeben.

joevolt_flyer


At hope 41 – Mai 2013

Studierende der Fachhoschule Frankfurt und Frauen der Community Development Society aus Indien haben szenische Miniaturen zum Thema „interkulturelle Dienstleistungen“ angeboten, die im Rahmen einer „durational performance“ gekauft werden konnten. Es konnten beispielsweise Produkte wie Leihmutterschaften, spirituelle Angebote des dritten Geschlechts, alternative Tourismusofferten oder Mikrokredite erworben werden.

at hope 41

Foto: Peter Jülich


3 – Juni 2013

Die Ausstellung „3“ gestaltete sich als Gruppenausstellung der Künstlerinnen Lena Ditlmann, Marcel Engelmann, Margarethe Kollmer, Janine Maschinsky und Martin Tansek.

Fotos: Barbara Walzer


Mother Nature Art History Project – Juli 2013

Es war Sommer in Frankfurt und Mutter Natur träumte in der schattigen Kaiserpassage von Londons Brick Lane. „Als Archiv aller Nutzer und Zwischennutzer zeigt der freigelegte Boden die Zeitalter der Passage. Zeiten von Beton, Plastik, Asbest und Scheiße.“ Das Projekt erhob in Laden 41 den Leerstand zum künstlerischen Programm. Dies lasse, wie Gaby Tront von The Critical Ass bemerkte, „[…] die verschiedenen Entscheidungen, also vor allem die Entscheidungen gegen etwas, sichtbar werden.“ (Sommer in Frankfurt, TCA, 2013).

 

 


Bonkers Pop Up Store – August 2013

Die Betreiber des damaligen Bonkers Online-Shop eröffneten in der Kaiserpassage einen temporären Laden. Neben dem Verkauf ihrer Produkte konnten im Rahmen des Pop Up Stores zwei Ausstellungen in den Räumen stattfinden: Die Filmpremiere „Vom See zur See – In drei Gängen durch Deutschland“ von Frederick Gomoll und die Fotoausstellung „BK42“ von Ben Wessler und Eric Mirbach.

 

 

 

 

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